Arno Gisinger – Gespenstergeschichten (Biennale für aktuelle Fotografie)

Arno Gisinger – Biennale für aktuelle Fotografie

Arno Gisinger, Biennale für aktuelle Fotografie, Mannheim
Arno Gisinger (©),  Kulturbolschewistische Ausstellung (détail) Kunsthalle Mannheim,  Biennale für aktuelle Fotografie, Mannheim

Die Biennale für aktuelle Fotografie

Die Biennale für aktuelle Fotografie https://biennalefotografie.de (kuratiert von Forian Ebner, Fabian Knierim, Boaz Levin, Kerstin Meincke, Christin Müller und Kathrin Schönegg) , so die Firmierung der nun erstmalig und dann alle zwei Jahre stattfindenden Ausstellungsschau zum Thema Photographie in drei Städten (Heidelberg, Ludwigshafen, Mannheim),  insgesamt 7 Lokalitäten und unter Beteiligung von Forensic Architecture, Trisha Baga, Rosa Barba, Cuthbert Bede, Hermann Heinrich Friedrich Behle, Natalie Boockchin, Dirk Braeckman, Kilian Breier, Marcel Broodthaers, Peggy Buth, F & D Cartier, Sara Cwynar, Georges Demenÿ & Étienne-Jules Marey, Joseph Maria Eder, Olafur Eliasson, Harun Farocki, Hans-Peter Feldmann, Richard Frater, LaToya Ruby Frazier, Arno Gisinger, Philipp Goldbach, Vesko, Josef Grebing, Simon Gush, Robert Häusser, John Heartfield, Oskar Friedolin Herzberg, Candida Höfer, Sven Johne, Nikita Kadan, Katia Kameli, August Johann Klose, Barbara Kasten, Franz Kockartz, Jürgen Klauke, Merle Kröger, Privatarchiv Familie Kassem, Privatarchiv Familie Keskin, Stefan Karrer, Yves Klein, Andreas Langfeld, Fred Lonidier, Helmar Lerski, Jochen Lempert, Marc Lee, Andreas Horlitz & Reinhard Matz, Arwed Messmer, Daido Moriyama, Eva & Franco Mattes, Naeem Mohaiemen, Oscar Muñoz, Peter Miller, Rosa Menkman, Zanele Muholi, Floris M. Neusüss, Louis Vignes & Charles Nègre, Barbara Probst, Privatarchiv Familie Panevski, Ed Ruscha, Migrant Image Research Group, Pétrel I Roumagnac (duo), Willem de Rooij, Adrian Sauer, Andrzej Steinbach, Arne Schmitt, belit sağ, Buky Schwartz, D. H. Saur, Joachim Schmid, John Smith, Klaus Staeck, Mark Soo, Philip Scheffner, Privatarchiv Familie Sirm, Sebastian Stumpf, Gaston Tissandier, Juergen Teller, Oraib Toukan, Privatarchiv Familie Troncone, Wolfgang Tillmans, Amalia Ulman, Hermann Vogel, Andrew Norman Wilson, Hajra Waheed, Marianne Wex, Privatarchiv Familie Zippel  – behauptet: Farewell Photographie. Vielleicht geriet das Fragezeichen in Vergessenheit? 

Die Flut von Bildern

Nun, betrachtet man die Bilderflut,  die in ihrer Sinnlosigkeit und Leere alles in den Abgrund zu reissen versucht, zum Wohl des Kapitalismus, zu Lasten von Humanität, Intelligenz und Kultur, so mag das Postulat Farewell Photographie zunächst Berechtigung haben. Bei intensiver Betrachtungsweise der Photographie und in dem Bewusstsein ihrer  thematischen Komplexität lässt die Zukunft doch Hoffnung zu. Denn, wer will und kann auf Dauer eine riesige Lärmkulisse ertragen, folgt doch bald hiernach der sehnliche Wunsch nach Ruhe. So wird es der „lauten“ Photographie irgendwann auch gehen, wenn etwa die narzisstischen Selfies der Vergangenheit ebenso angehören  – wie auch das elendige Knipsen in Museen endlich dem Verbot unterworfen ist, und wenn kaum noch jemand  von angeblich gut gemeinten auf Schritt und Tritt mit dem Smarttelephon festgehalten Urlaubsmomenten mit Freude erfüllt sein will und wird….

Arno Gisinger, Biennale für aktuelle Fotografie, Mannheim
Arno Gisinger (©), Biennale für aktuelle Fotografie, Mannheim

Zwischendurch ….

Zwischenzeitlich kommt die Frage nach der Vergangenheit und der Zukunft. Besinnt man sich der Historie, stellt sich ein Glücksgefühl ein ob  wunderbarer Dokumente, fixiert durch die Photographie. Ohne diese käme eine Erinnerung nicht zustande, wäre für das Gedächtnis eine grosser Verlust und bedeutete für die Zukunft eine kolossale Lücke, das Fehlen an Wissen, Erkenntnissen und Erfahrungen.
Aber diese Sicht auf die Photographie als Medium war entweder nie existent oder geriet in Vergessenheit, überschattet von der missbräuchlichen oder annektierten Nutzung des Bildermachens und der Acteure. 

Die Photographie als Gedächtnis 

Arno Gisinger, Biennale für aktuelle Fotografie, Mannheim
Arno Gisinger, Biennale für aktuelle Fotografie, Wasserturm Mannheim

Der in Paris lebende und lehrende Künstler und Wissenschaftlicher Arno Gisinger http://www.arnogisinger.com forscht seit einigen Jahren zu der Thematik. In der 2014 mit Georges Didi-Hubermann gemeinsamen Ausstellung im Palais de Tokyo gab er Einblicke, Fortsetzungen erfolgten – und jetzt bespielt Gisinger den historischen Mannheimer Wasserturm mit seinen Gespenstergeschichten. Seine Video-3-Kanal-Installation, (technische Realisation Martin Beck, Sprecher Harald Schröpfer, Ausstellungsarchitekt Bernhard Tatter) beschreibt eindrucksvoll die Sammlungs-und Ausstellungsgeschichte des Kunstmuseums von Mannheim, ihre epochalen Einflüsse auf und in der Kunst, künstlerisch und politisch. Aus dem 7000 umfassenden Glasplatten-Archiv schuf der Künstler eine grossformatige Ausstellung, projiziert auf rustikale Leinwände. Und Arno Gisinger zeigt auf, dass die Geschichtsschreibung nur mit Hilfe der Photographie möglich war. Die Photographie als Gedächtnis – und kein blosses Dokumentationsmittel. Hier wurde die Geschichte des Kunsthauses festgehalten. Zu dieser Zeit galt das offensichtlich als ein Novum. Kunstgeschichte anhand der Photographie….

Arno Gisinger, Biennale für aktuelle Fotografie, Mannheim
Arno Gisinger (©),  Kulturbolschewistische Ausstellung (détail) Kunsthalle Mannheim,  Biennale für aktuelle Fotografie, Mannheim

Kunstgeschichte anhand der Photographie

Eine völlig andere Sehweise auf die Historie – das ist die Chance der Photographie – absolut konträr zu den momentan banalen, inhaltsleeren Knipsbildern-Schauen, mit denen manche Museen den peinlichen Versuch, ihre Häuser und nebst Kassen zu füllen, unternehmen, und scheitern werden. Welch vertane Chance, die Ausstellungen im Palais de Tokyo www.palaisdetokyo.com Nouvelles histoires de fantômes und  Musée d’Art moderne de la Ville de Paris http://mam.paris.fr/fr  La Boîte de Pandore – Une autre photographie par Jan Dibbets, nicht gesehen zu haben.

Gespenstergeschichten

Aber die ersten Unternehmungen zur Rettung der Photographie und ihre qualifizierte unterschiedliche Anwendung sind gewahrt: Gespenstergeschichten sind ein prägnantes Exempel, das da Arno Gisinger mit seinem Beitrag zur Biennale für aktuelle Fotografie statuiert. Aktueller geht es nicht. Vorbildhaft ist im Grunde seine Monografie im historischen Ambiente, besonders in jeder Hinsicht – und als Strömung gegen die bisher eingetretene Prophezeiung von Suzan Sonntag: Das Problem besteht nicht darin, dass Menschen sich anhand von Fotos erinnern, sondern dass sie sich nur an die Fotos erinnern – aus ihrem Essai Devant la douleur des autres

Welch eine Chance…. 

Und André Malraux  hat Recht: Or l’histoire de l’art depuis cent ans, dès qu’elle échappe aux spécialistes, est l’histoire de ce qui est photographiable  – (Essai Le Musée Imaginaire):  Arno Gisinger’s Gespenstergeschichten

Ausstellungskatalog, reichhaltig illustriert und herausgegeben von Florian Ebner, Christin Müller und der Biennale für aktuelle Fotografie e.V., erscheint im Verlag der Buchhandlung Walther König, ISBN 978-3-96098-205-0,  https://www.buchhandlung-walther-koenig.de/koenig2/index.php?mode=display&showcase=3&old_search=false

Gespenstergeschichten  bis 5.November 2017

Biennale für aktuelle Kunst 
Kunsthalle Mannheim / Wasserturm
Friedrichsplatz
68161 Mannheim
 
Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag 15h – 19h
(geschlossen am 10., 12. und 13.September 2017)
 
Arno Gisinger in weitere Ausstellungen:
 
Diorama – Erfindung einer Illusion – 6.Oktober 2017 bis 21.Januar 2018
SCHIRN KUNST­HALLE FRANK­FURT 
Römer­berg 
60311 Frank­furt
Telephon 0049069 299882112
Telefax 004969 299882240
welcome@​SCHIRN.​de 
http://www.schirn.de/ausstellungen/2017/diorama/
 
Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag 10h – 18h
 
Anfahrt
Öffentliche Verkehrsmittel:
U-Bahnen 4, 5 – Dom/Römer. 
Stra­ßen­bahn 11, 12  – Pauls­kir­che 
Automobil:
 A5 – West­kreuz Frank­furt. 
 B648, A3,  A66 – Offen­bach/Kaiser­lei
 
Paysages français – Une aventure photographique (1984 – 2017) –  20.Oktober 2917 bis 4.Februar 2018
Bibliothèque Nationale de France (BnF)  – François-Mitterrand
Quai François-Mauriac
75013 Paris 
Galeries I et II
http://www.bnf.fr/documents/cp_paysages_francais.pdf
 
Öffnungzeiten:
Dienstag bis Samstag 10h – 19h mardi – samedi de 10h à 19h
Sonntag 13h – 19h 
 
Öffentliche Verkehrsmittel:
Métro 6, 14
RER Ligne C
Bus Ligne 89 – Rue Émile Durkheim, Quai François-Mauriac, Rue Raymond Aro
Bus Ligne 63, 64, 132, 325
Zug:
Thalys

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