Otto Piene’s Silberne Frequenz versus LWL

Freiheit für die Silberne Frequenz Otto Piene’s – weg mit Signet LWL

Otto Piene, (Portrait)
Otto Piene

Leider kann man Otto Piene nicht mehr aktuell zu dem Schandfleck in seinem Werk Silberne Frequenz an der Fassade des Museums für Kunst und Kultur im westfälischen Münster befragen.
Und es ist nicht zu verstehenen, warum man bislang nicht in einer Nacht-und-Nebel-Aktion das LWL-Signet des Kunsthauseigentümers aus dem Werk entfernt hat.
Sicher, die dringend-zwingende Massnahme lässt sich strafwürdig verfolgen. Aber die Verunstaltung eines Kunstwerkes, Lebensäusserung des Urhebers, ist auch nicht ohne. Das betrifft auch die Freiheit der Kunst (am Bau).

Museum für Kunst und Kultur, (Gebäudeansicht, détail)
Museum für Kunst und Kultur, Münster

Letztlich würde eine Demontage der drei Buchstaben allemal in Sinne der Kunst-Freiheit sich rechtfertigen lassen.
Wenn’s interessiert, wer Betreiber dieses Museums überhaupt ist, findet doch dieser in den eigenen Publikationen ausreichend Gelegenheit für Hinweise auf den Landschaftsverband Westfalen-Lippe.
Ähnlich geprüft ist das Max-Ernst-Museum im rheinischen Brühl http://www.maxernstmuseum.lvr.de/de , dessen Personal angehalten ist, permanent bei Erwähnung des Museums-Namen gleichatmig den Zusatz … LVR (Landschaftsverband Rheinland) anzubringen.

Dass dem überörtlichen Sozialhilfeträger diese Entgleisung vielleicht gleichgültig erscheint und damit den Namensgeber in seiner Relevanz zu reduzieren versucht, wirft ein entsprechendes Licht auf die Körperschaft öffentlichen Rechts.

Museum für Kunst und Kultur
Signe, Museum für Kunst und Kultur, Münster

Initiative – Lösung?

Auf das Münsteraner Museum zurückkommend formiert sich nun endlich eine Initiative http://www.initiative-no-logo.de, die das Ziel der Logo-Entfernung betreibt.
Dass LWL – wie auch LVR –  Gebäudefassade oder Künstlernahmen gebrauchen, um vermutlich ein Bewusstsein für Kunst zu demonstrieren, erscheint indes nicht glaubwürdig, eher petite-bourgeoise und peinlich. 

Unterstellt man, dass Otto Piene damals keine Einwände gegen die Firmierung „LWL“  in seinem Werk erhoben hatte, was mit seiner sozialen Kompetenz einherging, so beutete allein das Ansinnen des Museumsbetreiber einen Affront gegen Artist und verriet gar Despektierlichkeit gegenüber seiner Kunst. 
 
Während Piene’s Grösse seinerzeit den Makel-Zustand  im Kunstwerk zuliess, fehlt es heute den herrschenden LWL-Figuren offensichtlich an solcher,  die Licht-Arbeit des Künstlers von dem Signet-Ballast zu befreien.
 
Die Kunst von Otto Piene versus „LWL“
 

Nur Mut also in Münster und weg mit LWL in Otto Piene’s Silberner Frequenz. Vielleicht kommt man auch in Brühl beziehungsweise in Köln zu Besinnung. Max Ernst wäre bestimmt begeistert.

Museum für Kunst und Kultur
Domplatz 10
48143 Münster
Telephon 0049251590701
Telefax 00492515907210
E-Mail museumkunstkultur(at)lwl.org
http://www.lwl.org/de/LWL

3 Gedanken zu „Otto Piene’s Silberne Frequenz versus LWL“

  1. Zumindest ist jetzt klar: Die Integration des Logos in das Kunstwerk war keine originäre Idee von Otto Piene, sondern wurde in den Büros des Landschaftsverbandes ausgebrütet. Der Künstler hat dem Kompromiss unter dem Druck des LWL zugestimmt, wohl um sein Werk vor der Schrottpresse zu bewahren. Ob er damit heute gut leben könnte? Wohl kaum! Faszinierende Lichtkunst wird so zur profanen Lichtwerbeanlage für eine aus Steuermitteln finanzierte Körperschaft öffentlichen Rechts. Ein unglaublicher Akt der Barbarei und Ausdruck fehlenden Respekts vor dem Künstler und seinem Werk …!“

  2. Nach den Presseveröffentlichungen des LWL vom 26.10.17 für eine Podiumsdiskussion zu diesem Thema http://www.lwl.org/pressemitteilungen/daten/anlagen/013000/13699.pdf
    http://www.lwl.org/pressemitteilungen/nr_mitteilung.php?urlID=43279
    sollte man die Sache differenzierter betrachten.
    Demnach hat Otto Piene insgesamt drei Versionen für die neue „Silberne Frequenz“ vorgeschlagen, wobei Farbe eine große Rolle gespielt hat. Er hat das LWL-Logo in seiner Arbeit bis kurz vor seinem Tod verteidigt. Demnach wäre auch diese Version „inklusive LWL-Logo ein Piene-Kunstwerk“ und ohne Logo kein Kunstwerk mehr. Denn eine reine befreite Piene Kunst gibt es nicht! Dieses LWL-gestrickte Kunst-Werbe-Konstrukt ist wohl zukünftig eher als ein Mahnmal im Zeichen von Digitalisierung und Neuen Ökonomien anzusehen. Am besten zusammen mit der Wasserwaage von John Knight.
    http://www.kritikmuenster.wordpress.com

  3. Sie haben völlig recht. Dies kleinkarierte Beharren auf der Erwähnung einer Abkürzung, die niemand versteht, entspricht nicht dem kulturellen Anspruch der Landschaftsverbände. Dieses Anwanzen an bekannte Künstlernamen und Kultureinrichtungen ist schlicht peinlich.

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